Lest mich, Kinder, denn ich bin ein schlechter Verpackungstext!

*räusper* Meine „Textkraut mäkelt“-Kategorie wird immer umfangreicher. Herrje. Doch war fortgesetztes Mäkeln nicht die Bedingung, um überhaupt ein Blog führen zu dürfen? Nun ja, wie dem auch sei, ich konnte die „Frechen Freunde“, die ich neulich im Bio-Supermarkt entdeckt habe, auf keinen Fall ungeschoren davonkommen lassen. Denn obwohl das Konzept – „sprechende“ (und gesunde) Lebensmittel für Kinder – sehr wohl seine Berechtigung hat, ist die textuelle Ausführung in diesem Fall ziemlich missraten. Das sind die Corpora Delicti:

Auf der Vorderseite: alles paletti. Auf der Rückseite geht’s dann los. Und zwar so: „Hallo! Wir sind Deine Frechen Freunde.“ OK, die Dinger stellen sich vor. Was an ihnen frech sein soll, erschließt sich mir nach wie vor nicht, aber gut. Weiter geht’s mit: „Wir hoffen, dass Du uns magst und haben deswegen viele Freunde aus der Obst- und Gemüsefamilie versammelt, um tolle Snacks zuzubereiten.“ Wo, liebe Freche Freunde, bleibt denn da die Stringenz? Wenn überhaupt, müsste der Satz so lauten: „Wir haben viele Freunde *blabla*, um tolle *blabla* und wir hoffen, dass du uns magst.“ Das „deswegen“ ist so oder so fehl am Platz. Beim nächsten Satz, „Wir möchten Dir helfen, Dich gesund und lecker zu ernähren“, wird das gleichsam inhärente Problem dieses Verpackungstexts deutlich: Einerseits halten Kinder erfahrungsgemäß nicht viel von gesunder Ernährung, andererseits lesen die wenigsten von ihnen Verpackungstexte, die nicht auf den ersten Blick als kindgerecht erkannt werden. Demnach liegt die Vermutung nahe, dass der Texter in diesem Fall bloß eine Zielgruppe im Blick hatte: die mit dem Portemonnaie und dem Interesse an der gesunden Ernährung ihrer Abkömmlinge.

Aber zerreißen wir uns auch noch schnell das Maul über die eingekasteten Kaufargumente. „Freche Freunde ist besonders gut für Kinder geeignet“ – ach so? Jetzt ist „Freche Freunde“ plötzlich wieder ein Produkt, anstatt dass es heißt „Freche Freunde sind …“ oder – noch richtiger – „Wir sind …“. Dass die Frechen Freunde einen mit „neuen Obst- und Gemüsesorten bekannt machen“, halte ich angesichts des geringen Anteils der „neuen“ zugesetzten Sorten für übertrieben. Weitere Kritik auf inhaltlicher Ebene betrifft die „fünf pro Tag empfohlenen Obst- & Gemüse-Portionen“. Abgesehen von der sperrigen Partizipialkonstruktion sind besagte Portionen doch gerade Kindern komplett wumpe. O weh. Es gäbe noch manches an diesen einfältigen Freunden zu kritisieren, weshalb ich der Behauptung „Als Deine Freunde lernst Du uns so zu mögen wie wir sind …“ auch keineswegs zustimmen kann. Wegen allem hier Gesagten, wegen dem, was ich mir aus Platzgründen verkneife zu sagen, und vielleicht auch wegen dem fehlenden Komma. Geschmacklich, das sollte ich fairerweise erwähnen, wäre eine Freundschaft hingegen durchaus vorstellbar. Ja. Aber erst müssten diese potenziellen Freunde in einen Schweigeorden eintreten. ;-)

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