Oh Gott, ich glaub‘, mir wird … Dove!

Ich habe zwar keinen Schimmer, wie der allseits bekannte Damen-Körperpflegeprodukte-Hersteller Dove dazu kommt, gerade mich mit seinem „Rabattletter“ zu beglücken, aber darüber hätte ich noch großzügig hinweggesehen. Worüber ich nicht großzügig hinwegsehen kann: den Rabattletter. Ich halte mich nicht daran auf, dass obendrüber „Sollte der Newsletter […] klicken Sie bitte hier“ steht, ich im Rabattletter-Text hingegen geduzt werde. Nein, ich bin vielmehr darüber entrüstet, wie die einleitenden Worte meine Intelligenz, meine Person, meine Mutter sowie jedes andere weibliche Wesen auf diesem Planeten, ganz gleich welchen Alters, beleidigen.

Oder ich bin zu kritisch. Das kann sein. Jedenfalls geht es los mit: „Kleine Dinge reichen aus, um mir den Tag zu versüßen. Ich find es schön, wenn zum Beispiel meine Haare perfekt sitzen oder ich ein tolles Kompliment bekomme.“ Ich weiß zwar nicht, wer „ich“ ist, aber was ich der dümmlichen Dame spontan mitteilen möchte, ist: wuääääääh. Als Nächstes würde ich sie fragen, wie unerträglich denn ihr Tag ist, wenn ihre Haare nicht perfekt sitzen. Herrje. Es tun sich hier viele Fragen auf. Aber vor allem eine rhetorische: Muss man denn, weil man Produkte für die „Oberfläche“ herstellt, seine Kundinnen auch auf die oberflächlichste Art und Weise ansprechen?

[Bild: Ausschnitt aus dem Dove-Newsletter vom 27.03.2012 „So macht Einkaufen Spaß: Dove schenkt dir 2 €“ von Newsletter@dove.de]

Eine Anmerkung zum Thema inhaltliche Nuancen hätte ich auch. Auf „Ich find es schön, wenn […]“ folgt im Absatz drauf zunächst die Wiederaufnahme von „schön“, was ich durchaus befürworte, denn bekanntlich kommt „Text“ von „texere“, also „weben, flechten, kunstvoll zusammenfügen“, und das gelingt unter anderem dank der Wiederaufnahme inhaltlicher Elemente. Aber: Wenn ich die beiden Absätze hintereinander weglese, klingt das „Für dich haben wir uns auch etwas Schönes überlegt“ wie eine Art Trostpreis, also so, als würden meine Haare nie perfekt sitzen und als würde mir nie jemand ein tolles Kompliment machen. Schnief! Oder bin ich wieder zu kritisch?

Und soll ich mich jetzt noch darüber ausbreiten, wie pfennigfuchserisch ich eigentlich diese Aktion finde und wie wenig Lust ich hätte, für lausige zwei Euro einen Coupon runterzuladen und auszudrucken? Nein? Gut.

Hinter „ich“ verbirgt sich übrigens „Deine Karin vom Dove Team“, also Karin Klamer, die, wie ich ergoogelte, Brand Managerin bei Dove ist. Sie kann diesen Text doch aber nicht selbst verfasst haben, oder? Nein. Gut.

 

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