Was übersetzen eigentlich Übersetzer?

Immer wieder werde ich gefragt, was ich als Übersetzerin eigentlich übersetze. „Bücher?“ vermuten viele, liegen damit aber relativ falsch. Literaturübersetzen, so wurde uns im Studium gesagt, sei alles andere als ein einträgliches Geschäft und folglich nur was für Ehefrauen. Und so wurde ich keine Literaturübersetzerin. Stattdessen antworte ich den Leuten heute sehr aussagekräftig mit: „Alles mögliche!“ Was unter anderem heißt: alle möglichen Textsorten. Denn ich bin zum Beispiel nicht auf Patentschriften oder Verträge spezialisiert. Oder auf Datenblätter. Oder auf Speisekarten. Stattdessen habe ich es für gewöhnlich mit allgemeineren Textsorten aus den Bereichen Marketing, PR oder HR zu tun. Und für diejenigen, die es genauer wissen wollen, habe ich einfach mal eine Handvoll Sätze aus verschiedenen Zieltexten herausgeklaubt.

Produktkatalog: „Wenn Sie für Ihr Zuhause einen zeitgemäßen Nassraum planen, haben wir die passende Lösung.“

Kommunikationsplan: „Um sicherzustellen, dass Anwohner, Regulierer und lokale Gruppen informiert und aufgeklärt werden, soll der Dialog mit den Stakeholdern frühzeitig aufgenommen und proaktiv gestaltet werden.“

Evaluationsbericht: „Eine bedeutende methodologische Herausforderung bei der Bewertung von Effektivität und entwicklungspolitischer Wirkung bestand in der Abwesenheit eines systematischen Monitorings, im Mangel an systematisch geführten Ausgangsstudien und Monitoring-Indikatoren sowie in der geringen Anzahl gelöster Fragestellungen des Monitorings.“

Pressemitteilung: „Aus dem Small Arms Survey 2012 geht hervor, dass der autorisierte Klein- und Leichtwaffenhandel hoch konzentriert ist, denn für den Großteil der dokumentierten Transfers zwischen 2001 und 2010 zeichnet nur eine Handvoll Länder verantwortlich.“

Success Story: „Die Zugänglichkeit von Offshore-Windparks ist stark von den Wetterverhältnissen abhängig und es ist somit entscheidend, dass die Anlage über lange Wartungsintervalle verfügt.“

Prüfungsfragen und -antworten: „Wann gilt es für den Befragenden als angemessen, den Tatverdächtigen während der Befragung anzuschreien?
1) Wenn es nötig ist, um die Kontrolle wiederzugewinnen
2) Wenn der Tatverdächtige wegschaut und nichts sagt
3) Es ist nie angemessen, zu schreien
4) Nur wenn er vom Befragten zuerst angeschrien wird“

Webseitentext: „Details zu Ihrem 28-tägigen Rückgaberecht finden Sie im Abschnitt über die Rückgabebestimmungen auf unserer Webseite.“

Trainer-Schulungsunterlagen: „SAGEN SIE: In dieser Session fügen wir das bisher Gelernte zusammen und Sie haben die Gelegenheit, das Leiten eines Stufe-2-TRA-Meetings zu üben.“

Mitarbeiter-Rundschreiben: „Wir haben guten Grund, einerseits stolz und andererseits dankbar für über 60 Jahre beispielhafte Innovation zu sein.“

Meistens finde ich meine Aufträge interessant, manchmal auch nicht. In letzterem Fall sind die Texte aber meistens nicht besonders schwierig. Weshalb mir das Übersetzen meistens Spaß macht. Auch ohne Literatur. Und ohne Ehemann. Wobei, ein Kandidat hätte sich mittlerweile immerhin gefunden. Aber ich schweife ab! Ach ja: Es ist übrigens nie angemessen, den Tatverdächtigen während der Befragung anzuschreien. Wissen Sie Bescheid, hm?

Berlin ... aber sexy

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