Der Verein Deutsche Sprache ist „Gestaltungspanscher 2013“

Vor einiger Zeit habe ich, übereifrige Sprachfreundin, die ich bin, den Infobrief des Vereins Deutsche Sprache (VDS) abonniert. Wir erinnern uns: Der VDS, das ist dieser anglizismusfeindliche Verein, der jedes Jahr einen sogenannten „Sprachpanscher“ an den Pranger stellt, und nun sogar dem Duden seinen päpstlichen Preis verliehen hat. Oje. Aber zurück zum Newsletter Infobrief. Dass der aus einem an „Verborgene_Empfaenger:;“ verschickten PDF besteht, wäre ja noch zu tolerieren. Man hat eben nicht so viele Mittel zur Verfügung wie ein Sprachpanscher, und da muss man gegebenenfalls zu Minimallösungen greifen. Aber muss man deshalb auch als Gestaltungspanscher auftreten, der die Uneinheitlichkeit quasi mit Löffeln gefressen hat? Bei neun aufeinanderfolgenden Infobriefen hat es der VDS auf nur drei einheitliche Betreffzeilen gebracht. Dabei könnte man doch einfach mal eine Vorlage erstellen? Oder den Betreff aus der Vorwoche abschreiben? So ganz kostenlos?

Betreffse

Die Anrede ist immerhin und aus Gründen stets dieselbe: „Liebe Sprachfreunde“. Hach. Aber dann sind auch wieder Kraut und Rüben angesagt. So heißt es in der einen Woche, „unser neuer Infobrief fasst* diese Woche folgende Themen aus der Presse zusammen“, in der Woche darauf „heute schicke ich Ihnen die 164. Ausgabe des VDS-Infobriefs – mit folgenden Themen” und in der darauffolgenden Woche wiederum „hiermit sende ich Ihnen unseren neuen Infobrief, die Presseschau vom 31.7. bis 6.8., mit folgenden Themen“. Mein lieber Herr Gesangsverein Deutsche Sprache. Ich möchte es mal so sagen: Es wirkt nicht „kreativ“, wenn kurze bis sehr kurze Informationen jede Woche anders formuliert werden, obwohl der Inhalt jede Woche derselbe ist. Das wirkt vielmehr dilettantisch, gleich so, als wäre da jede Woche ein neuer unbezahlter Praktikant im Einsatz, obwohl es doch meistens die Frau Elias ist. Die konsequenterweise auch bei der Grußformel von Woche zu Woche variiert, aber das ist ja durchaus in Ordnung. Nicht in Ordnung ist hingegen, davon auszugehen, dass man ohne jegliche Beachtung von Idee und Zweck eines Styleguides – oder für den VDS: einer Gestaltungsrichtlinie – auch nur ansatzweise den Eindruck von Professionalität vermitteln kann. So, werter VDS, lautet mein päpstliches Urteil im Hinblick auf die betreffenden textgestalterischen Details, für deren unbedarfte Ausführung ich Sie hiermit feierlichst zum „Gestaltungspanscher 2013“ ernenne. Herzlichen Glückwunsch!

*Der Infobrief fasst zusammen? Achtung: Diese im Englischen sehr verbreitete Art der Personifizierung ist im Deutschen (noch) nicht akzeptiert.

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