24.12.2013

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Am Heiligabend vor einem Jahr gab es im Osnabrücker Hospiz Kartoffelsalat und Würstchen. Ich hatte seit Monaten auf Fleisch verzichtet und war von der Kartoffelsalat-Würstchen-Tradition bislang verschont geblieben, aber wo, wenn nicht im Hospiz, sollte man mal fünfe gerade sein lassen?

Es fiel mir jedenfalls leichter, jenes Würstchen zu verspeisen, als mich mit dem Gedanken zu beschäftigen, dass das Hospiz, in dem meine krebskranke Mutter am Vortag ihr Zimmer bezogen hatte, tatsächlich die Endstation sein sollte. Natürlich war mir klar, wozu es Hospize gibt, aber das war für mich bis zum Schluss undenkbar. Selbst heute kann ich mich darüber wundern, wie schnell alles ging. Dieses zugegebenermaßen kuriose Foto erinnert mich daran. An große Verdrängung und die letzten schönen Stunden mit meiner Mutter, denn sie hatte zu dem Zeitpunkt noch keine starken Schmerzen. Wir waren überwältigt von der Freundlichkeit des Personals, das einem jeden Wunsch erfüllte, und fühlten uns an diesem ersten gemeinsamen Abend im Hospiz „pudelwohl“, wie Mama es formuliert hätte. Sie blieb hier bis zum 30. Januar 2014. Und so langsam würde ich sie schon gerne mal anrufen. Stattdessen werde ich morgen um ein paar ihrer alten Briefe bitten. Und beim Lesen unter anderem diesen Gedanken denken, den zu denken immer noch so unheimlich schwer fällt.

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