70 Jahre Kriegsende 70. Todestag meines Großvaters

Wenn Krieg ist, gibt es plötzlich viele Pechvögel. Der Vater meiner Mutter, Oberarzt Walter Mischitz, geboren am 18.02.1906 in Siebenhirten bei Wien, ist einer von ihnen. Während wir am heutigen 8. Mai 70 Jahre Kriegsende begehen, denke ich an Walter, der nur einen Tag nach Inkrafttreten der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht auf dem Rückzug aus Griechenland in der Nähe von Cilli im damaligen Jugoslawien gefallen ist.

Seine Frau Frieda, die am 23.04.1920 in Hamburg geboren wurde und die ich nie kennengelernt habe, hatte bereits zwei Mädchen im Alter von knapp drei bzw. knapp zwei Jahren. Durch die Frau eines Kollegen Walters, der auch zur Kompanie gehörte, erhielt sie einen mit Schreibmaschine getippten Bericht darüber, warum Walter es nicht mehr nach Hause geschafft hat.

 

Dr.Mischitz

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Machte den Rückzug aus Griechenland mit bis vor C i l l y .-
3-4 km vor Cilly (er war mit dem Stab der Division gefahren)
wurden alle aufgehalten. Partisanen hatten die Einfahrt nach
Cilly gesperrt und wurden die ersten Verhandlungen mit ihnen
gepflogen wegen der Durchfahrt .Die Partisanen verlangten als
Vorschlag ,alle Waffen da zu lassen und dann würden sie frei
heimfahren können nach Österreich.Es wurde lange debattiert
und war auch ein General mit dabei. Ein Oberst erledigte die
Angelegenheit dann.Er erklärte den Partisanen,sie hätten noch
genügend Munition,um eben mit Gewalt durchzukommen. Daraufhin
bekamen sie nachmittags die Erlaubnis nach Cilly hineinzufahren,
das war am 8.oder 9.Mai 1945. –Zuerst sollten der General und
der Divisionsstab fahren,dann die San.Komp.,dann die folgenden
Divisionseinheiten. Als sie an die Sperre heranrollten,liess man
den General durchfahren, die folgende San.Komp.hielt man auf.
Also hatte das Ganze den Anschein eines Manövers, um den General
zu fassen. Als der General durchfuhr,hörte man rückwärts einige
Schüsse und glaubte, der General sei festgehalten worden. In den
ersten Fahrzeugen danach fuhr Dr. Mischitz ( der Komp.Chef etwas
weiter rückwärts, wusste gar nichts von der ganzen Sache,zunächst)
Als Dr. Mischitz die Partisanen sah,stieg er aus,um zu fragen
wieso sie nicht weiter fahren dürften. 3 Partisanen kamen ihm
entgegen, er selbst ging in Begleitung von 2 Soldaten auf sie
zu (einer war gar nicht von der Kompanie und kennt ihn eigent-
lich niemand)und dann war folgendes:

Der eine Begleiter von Dr. Mischitz hatte eine Pistole in der
Hand,die er hinter sich hielt, das wusste aber Dr. M.nicht,
da der Mann hinter ihm stand, so konnte er auch nicht ver-
stehen ,warum die Partisanen ihre Maschinenpistolen herunter-
nahmen und in Anschlag brachten,um sich zu sichern.Dr.M.konn-
te sich natürlich diesen Vorgang nicht erklären und war so der
Meinung ,dass die Partisanen auf sie schiessen wollten und um
das zu verhindern,sprang er dem ersten Mann entgegen und woll-
te ihm die Maschinenpistole entreissen und in seine Gewalt
kriegen.Ehe das aber geschah,bekam er einen Lungenschuss.
Seine Begleiter wurden durch Kopfschuss sofort getötet.
Es war ständig gesprochen und den Leuten gesagt worden,Vor-
sicht mit Waffen und hatten sie auch keinerlei Auftrag die
Pistole schussbereit zu halten.–Daraufhin wurde Dr.Mischitz
in ein Fahrzeug gebracht und mit ihm noch gesprochen :
Der Chef sagte ihm :“ Keine Bange,lieber Mischitz, es wird
schon wieder werden,sobald die Verhältnisse sich etwas be-
ruhigt haben,werden wir aufbauen und operieren „.
„Machen Sie mir nichtsvor, ich bin Arzt,ich weiss, wie es mit
mir steht“ sagte Dr. M.drauf und Tatsache war auch,dass an ein
Operieren nicht zu denken war, da ununterbrochen geschossen
wurde in der Gegend und es finster war,auch wäre wohl nicht
viel zu machen gewesen.Der General war schon in den Händen
der Banditen. Die Nacht musste also auf alle Fälle abgewartet
werden (es wurde dauernd verhandelt mit den Partisanen ) und
in dieser Nacht ,um zirka 2 Uhr früh, starb Dr. Mischitz im
Auto liegend.Wahrscheinlich waren der Chef und der Chirurg bei
ihm.
Dr.Mischitz bat auch, seine Frau zu grüssen,wie auch seine Elter
In Cilly ist er begraben.

Die Kompanie wurde dann im weiteren Verlauf gänzlich auseinan-
dergerissen ,d.h. was mit den anderen dann war, weiss man noch
nicht,eine Gruppe kam in die Agramer und Belgrader Gegend in d.
Gefangenschaft.

Mein Mann,Dr.Blum, ist dann auf dem Fussweg mit
den übrigen in die Gefangenschaft ins Landinnere
gegangen,er wurde dann mit einigen in Rann (40 km
vor Agram) herausgezogen und arbeitet derzeit
im Spital an der Chirurg.Abteilung in Rann, wo es
ihm gut geht.Hie und da kann er mich auf irgend-
einem Weg verständigen,wie es ihm ergeht.

Fasching(Mein Lieblingsfoto von Walter. Er trägt das schwarze Kostüm.)