Warum Sie das Fagus-Werk in Alfeld besuchen müssen

Ich werde es kurz machen. Nämlich: Für Bauhaus-Enthusiasten ist die 1911 von Walter Gropius errichtete Fagus-Schuhleistenfabrik im südniedersächsischen Alfeld ohnehin ein Muss. Sie war Gropius‘ erster großer Auftrag und hat heute keinen geringeren Status als den des „Ursprungsbaus der Moderne“, was ebenso Firmengründer und Auftraggeber Carl Benscheidt zu verdanken ist.

Fagus-Werk bahnseitig

(Hach!) Aber auch, wenn man Fan der „Sendung mit der Maus“-Sachgeschichten ist, kommt man bei der Führung auf seine Kosten, denn: Das Fagus-Werk ist von den insgesamt über 1.000 UNESCO-Welterbestätten die einzige (!), in der gearbeitet wird. Dies und vieles andere erzählte uns Besucherführer und Fagus-Mitarbeiter Reinhard, der hier vor 32 Jahren als Stift angefangen hat.

Besucherführer Reinhard

Einerseits kann man also zum Beispiel ehrfürchtig die mit gut 100 Jahre altem Linoleum bedeckten Stufen des von Glas umgebenen Treppenhauses auf der Straßenseite hochsteigen und dabei den Kopf über die Alfelder Barbaren schütteln, die sich seinerzeit, wie Reinhard erklärte, über das Wunderwerk lustig machten, weil es eben gar nicht wie die Fabriken aussah, die man kannte.

Fagus-Werk straßenseitig

Andererseits erfährt man, in welcher Feinarbeit so ein Schuhleisten entsteht, wie groß der Bedarf ist, was ich alles nicht mitbekommen habe, weil ich fotografiert habe, und dass jetzt schon die Leisten für 2017 gefertigt werden. Ich habe da ein wunderbar spitzes Modell gesehen und fotografiert, aber das poste ich lieber nicht, sonst verhaftet Högl mich wegen Industriespionage.

Schuhleisten Holz

Schuhleisten Kunststoff

Ja, und dann fragt man sich, wie es damals wohl gewesen ist, wenn man bei Fagus gearbeitet hat, anstatt in einem dusteren Ziegelgemäuer zu ackern. Etwa an diesen Arbeitsplätzen hier, wobei es hinter dem Glas im Sommer ziemlich heiß werden kann, wie Reinhard verriet. Wie es möglich war, trotz Denkmalschutz Doppelfenster nachzurüsten, lasse ich als „Cliffhanger“ stehen.

Arbeitsplatz à la Gropius

Nachdem man also überall seine Nase reinstecken durfte, kann man noch die Fagus-Gropius-Austellung und die Fagus-Galerie besuchen. Im Café, das unter der Woche Mitarbeiterkantine ist, sind die Kuchenstücke riesig. Verputzen kann man sie vor dieser noch riesigeren Fensterfront, und auch wenn hier gerade schon wieder die Sonne fehlt, war es ein ganz toller Ausflug.

Fagus-Gropius-Café

Alfeld verfügt über eine stündliche Bahnverbindung. Das Werk liegt nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt. Und hätten Sie gedacht, dass selbst für Flipflops Schuhleisten verwendet werden? Dabei sind das ja überhaupt keine Schuhe. Ts!

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