Neuer Partner für deutsches GLXP-Team: Fachgebiet Planetengeodäsie der TU Berlin unterstützt Mondmission

Berlin, 20.12.2011. Nachdem zu Jahresbeginn die Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) unter Dach und Fach gebracht wurde, freut sich das deutsche Google-Lunar-X-PRIZE-Team „Part-Time Scientists“ nun darüber, das Fachgebiet Planetengeodäsie am Institut für Geodäsie und Geoinformationstechnik der Technischen Universität Berlin zu den Partnern der 2013 anstehende Mondmission zählen zu können. Für die dort forschenden Planetengeodäten „dreht“ sich gleichsam alles um die Eigenschaften planetarer Körper, etwa deren Größe, Schwerefeld und Rotation, wobei unter anderem globale und lokale Oberflächenbeschreibungen dieser Körper erstellt und Zusammenhänge untersucht werden. Geleitet wird das Fachgebiet von Prof. Dr. Jürgen Oberst, der gleichzeitig Abteilungsleiter am Berliner DLR-Institut für Planetenforschung ist. Oberst ist unter anderem an der seit Juni 2009 laufenden LRO-Mission der NASA beteiligt, im Rahmen derer die Sonde „Lunar Reconnaissance Orbiter“ den Mond aus einem Orbit von nur 50 Kilometern Höhe erkundet.

Von weitreichender Bedeutung sind die Informationen und Daten, die die Mitarbeiter des Fachgebiets den „Teilzeit-Wissenschaftlern“ zur Verfügung stellen. So wurde zunächst gemeinsam beschlossen, die Mondfähre mit Mondrover „Asimov“ in der Nähe der Stelle aufsetzen zu lassen, an der 1972 die Astronauten der Apollo-17-Mission nicht nur Fuß auf den Mond gesetzt, sondern auch ihre Fahrten mit dem berühmten Mondauto, dem „Lunar Roving Vehicle“ (LRV), unternommen haben. Die Landestelle in der Nähe des Mondäquators ist nicht nur verhältnismäßig gut erschlossen, sondern bietet vor allem auch aufgrund der Geländebeschaffenheit und des Sonneneinfalls günstige Bedingungen für die Mission des einzigen deutschen GLXP-Teams. Relevant sind beispielsweise topographische Höhenunterschiede, die die Kommunikation beeinträchtigen könnten oder schlimmstenfalls unüberwindbar für Rover Asimov sind. Dank Oberst und seinen Mitarbeitern erhalten die Part-Time Scientists daher unter anderem Zugang zu den Daten, die der spezielle Höhenmesser an Bord des LRO liefert – der sogenannte „Lunar Orbiter Laser Altimeter“ (LOLA).

Aber auch die durchschnittliche Größe der Steine im Zielgebiet können die Mitarbeiter des Fachgebiets ermitteln – die sogenannte „Lunar Reconnaissance Orbiter Camera“ (LROC) an Bord des LRV macht’s möglich. Sie liefert Bilder der Mondoberfläche in bislang unerreichter Auflösung. Um nun die Größe eines Steins zu berechnen, werden seine Pixel „gezählt“ und mit der Auflösung des Fotos abgeglichen, die wiederum anhand der jeweiligen Flughöhe berechnet wird. So kann für Rover Asimov, der nur etwa 25 Kilogramm wiegen wird, ein möglichst leicht zu befahrendes Terrain auf dem Erdtrabanten ausgesucht werden. „Die Daten, die der Lunar Reconnaissance Orbiter liefert, sind zwar öffentlich zugänglich, aber ihre Verarbeitung ist extrem aufwendig und komplex. Deshalb ist die Unterstützung seitens des Fachgebiets für uns sehr wertvoll und wir freuen uns vor allem auch darüber, dass sie uns neue Möglichkeiten für die Missionsplanung eröffnet“, sagt Teamchef Robert Böhme über die Zusammenarbeit. Eine weitere erfreuliche Entwicklung kann das Team unterdessen im Hinblick auf seinen Protagonisten Asimov verzeichnen: Der dritte Prototyp des Mondrovers. „Asimov Jr. R3“, wurde in den vergangenen Wochen in Kleinstarbeit zusammengeschraubt und wartet nun darauf, der Öffentlichkeit vorgestellt zu werden.

Der Google Lunar X PRIZE ist ein 2007 von der X PRIZE Foundation ins Leben gerufener Wettbewerb, der mit insgesamt 30 Millionen US-Dollar dotiert ist. Ziel ist die Durchführung einer zu neunzig Prozent privat finanzierten Mondmission. Im Wettbewerb vertreten sind 29 Teams aus 17 Ländern. Der Hauptpreis von 20 Millionen US-Dollar wird an das Team ausgeschüttet, das die Vorgaben des GLXP bis spätestens 31. Dezember 2015 erfüllt hat. Sollte zuvor eine ähnliche Mission von einer staatlichen Institution durchgeführt werden, sinkt das Preisgeld auf 15 Millionen US-Dollar. Mit der Auslobung fördert Google die private Erschließung des Weltraums sowie die Entwicklung neuer, kostengünstiger Lösungen für die Raumfahrt.

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