Textkraut oder die amüsante Suche nach dem passenden Namen

Das Kind braucht einen Namen. Das ist allgemein bekannt. Jetzt habe ich – Inez Mischitz – natürlich schon seit meiner Geburt einen solchen, aber ich finde, wenn man schon mal die Chance hat, einem „Kind“ einen Namen zu verpassen, sollte man diese auch nutzen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Ein Vor- plus Zuname ist in der Regel nichts, das man als „griffig“ bezeichnen würde; der Wiedererkennungswert ist allenfalls gering. Viel wichtiger aber ist die Tatsache, dass man mit dem frisch ersonnenen Namen ja direkt die Richtung anzeigen kann, in die man sich mit seiner Dienstleistung bewegt. (Es sei denn, man muss aus verschiedenen Gründen zu einem Phantasienamen Zuflucht nehmen, auch, damit man überhaupt noch einen vernünftigen freien Domain-Namen bekommt.)

Naheliegend ist natürlich immer erst mal der Gedanke an ein Handwerk, an etwas Konkretes und auch irgendwie Bekanntes. „Texteria“ zum Beispiel. Aber möchte ich wirklich, dass meine Dienstleistung nach Pizzeria oder Döneria klingt? Nein. Und – oh: Der Name ist auch bereits vergeben. Ei, ei, ei. Dann vielleicht – in Anlehnung an die Confiserie und die Papeterie – die „Texterie“. Aber muss man da nicht womöglich an „Hysterie“ denken? Dieses  Risiko kann ich auf gar keinen Fall eingehen. Andere spontane Einfälle sind der „Textdoktor“, doch gibt es diese selbsternannten Weißkittel quasi schon zuhauf, und bei der „Textmaschine“ könnte sich der Gedanke aufdrängen, dass ich früher oder später dem Burnout anheimfalle und das vielleicht sogar noch vor der Beendigung des Auftrags – oje.

Wie wäre es dann stattdessen mit einer Text-Superheldin? Einer „Textgirl“ oder einer „Text Woman“? Nun ja, das wären große Fußstapfen, in die ich treten müsste. „Textzilla“? Nein, nur wenn ich pummelig wäre. Mal fix zu den Adjektiven geschaut: „textastisch“? Wie bombastisch und fantastisch? Nee, zu pompös. Genauso wie „textakulär“. Aber lustig ist es schon, was für Assoziationen man in so einen Namen einbauen kann. Nur um das mal zu demonstrieren, sollen hier einige der schrecklichsten kreativsten Schöpfungen – diesmal wieder Substantive – genannt werden: Textappeal und Textbombe, Textator und Textremist, Text-a-holic und Textidriver, Textosteron und Texthibitionist, Textritis und Textarrhö, aber dann kann man sich eigentlich auch gleich für Textplosion oder Textament entscheiden.

Ich schäme mich schmunzelnd und versuche, mich wieder auf meine Aufgabe zu konzentrieren. Der Vorteil, den einige der obigen sprachlichen Œuvres trotz allem aufweisen, ist,  dass sie auch im angelsächsischen Sprachraum funktionieren, was für mich als Übersetzerin ja durchaus opportun wäre. Andererseits läuft es natürlich meiner Übersetzerinnenehre zuwider, einen Anglizismus zu verwenden, anstatt mich an unserer reichhaltigen deutschen Sprache zu bedienen. Die Lösung, triumphiere ich, ist einfach: ein Germanismus muss her! Zur Inspiration ziehe ich die passende Wikipedia-Liste heran und erfinde spontan: Textangst, Textbratwurst, Texthamster, Texthinterland, Textkindergarten, Textkitsch, Textmuesli, Textpoltergeist, Textpumpernickel, Textschnitzel und Textstrudel.

Während ich, weil’s so schön ist, diese unmöglichen Kreationen niederschreibe bzw. -tippe, bleiben meine Gedanken dann doch am berühmt-berüchtigten Germanismus „Kraut“ hängen. Als Deutscher ist man auf jeden Fall ein „Kraut“ – ganz klar. Wobei diese Lesart in meinem Fall natürlich nicht die dominante sein kann und soll. Abgesehen davon ist ein Kraut – in der deutschen Sprache und im Gegensatz zum Unkraut – aber unter anderem etwas Nützliches; etwas, das gegen etwas Schlechtes hilft. Ha!

Ich taufe dich auf den Namen ...

Ich überlege, ob es ein Nachteil ist, dass mein Übersetzer-Diplom sich in diesem Namen nicht niederschlägt*. Aber letztlich läuft meine „Kunst“ ja auf den Text hinaus und nur weil man beim Übersetzen einen fremden Text reproduziert, heißt das nicht, dass hier keine Textkompetenz gefragt wäre. Im Gegenteil. Textkraut also, und da höre ich vor meinem geistigen Ohr schon Sätze wie „Dieser Text muss aber noch getextkrautet werden!“. Oder „This text still needs textkrauting!“. Schön, oder? 😉

*Falls Sie sich das jetzt fragen: Meine Seite soll eine Art „verlängerte Visitenkarte“ sein und nichts, was Suchmaschinen in Verzückung geraten lässt.

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